Gastbeitrag von Niels Vorwerk

Weihnachtsmarkt

Bildquelle: Marco Barnebeck / pixelio.de

Endlich war Samstag! Schamanski Numero Uno (1) hatte frei am Wochenende und genoss zusammen mit seinen Geistern seine Freizeit.
Tagsüber ging er auf Tuchfühlung mit dem Wasserelement am Wasserfall und in der Therme. Schließlich kam er dem Rat seiner geistigen Verbündeten nach, das Wasser aufzusuchen und so seine innere Kraft zu stärken und auszugleichen. HUUUIII! Er rutschte mit den Geistern gleich vier Mal hintereinander die große Wasserrutsche mit ihren fiesen Lichteffekten hinab, die jeden Epileptiker in den Wahnsinn getrieben hätten. Er stellte sogar einen neuen persönlichen Rekord auf, was wohl der Freude seiner Geister geschuldet war…
Tiefenentspannt und aufgeräumt durch das reinigende Wasserelement, hörte er die Nachricht, dass die indigenen Muggle einen Weihnachtsmarkt im Dorf veranstalteten. Eigentlich hatte er gar keinen Bock auf besoffene Menschenmassen, weil er sich sonst wieder durch eine Menge erdgebundener Seelen, die die Lebenden begleiteten und dämonischen Gefühlsabfällen hindurch arbeiten musste. Aber ein kurzes Videonat mit Großhexe Mywiel aus Keinerda räumte seine Bedenken aus: er konnte sich doch einfach die Kante geben und den dunklen okkulten Mist ausblenden durch großzügige Alkoholzufuhr! Gesagt, tun, getan!
Eine viertel Minute später hatte er das erste Weizenbier hinuntergespült, was in nordisch schamanisch-magischen Kreisen auch „Druckbetankung“ hieß. BÖÖÖRRRP!!! Flugs zu den Nachbarn geeilt und festgestellt, dass sein Muggle-Nachbar um Viertel nach Neun mit 1,75 Promille Couch-Surfing betrieb. Er hatte leider schon sehr viel auf’m Weihnachtsmarkt getrunken. Da blieb Schamanski nur übrig zur Freundin Lasziva von Schlingelingen vom Nachbarn auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und nach den Rechten zu schaun. Ja, es gab viele Rechte hier auf dem Dorf, aber das war ein ganz anderes Thema!
Also nahm er seine Geister mit, die im Gegensatz zu ihm schon ganz hibbelig und neugierig auf das menschliche Treiben waren. Ehrlicherweise muss man ihnen zugestehen, dass einige Schnapsdrosseln unter ihnen waren, die ganz heiß drauf waren, den Alkohol durch Schamanskis Sinnesorgane zu schmecken und sich zu berauschen…
Er traf seine Nachbarin am Glühweinstand und dann ging die Sauferei und heiteres Wortgeplänkel los… Er lernte einige Einheimische kennen und zu schätzen… Schamanski trank und trank und trank… Ständig bekam er von den Mugglen neue alkoholische Getränke ausgegeben. Zum Glück hatte er seinen Übersetzungszauber „Deutsch-Besoffen“ aktiviert, so dass er sie leicht verstehen konnte…
Schamanski trank und trank und trank… MOMENT MAL! Irgendwas stimmt hier nicht!
„Warum zum Henker werde ich eigentlich nicht besoffen?“, fragte sich Schamanski nach 4 Feuerzangenbowlen, 3 weißen Glühwein, 2 Weizenbier, 3 Kräuterschnäpsen und einem Pils… Seine Geister beobachteten dies von der anderen Seite aus und lachten sich kringelig, als sie den vertrottelt drein blickenden Zauberer beobachteten: „Wahahahaha! Schaut Euch den Honk an! Wir ham Dir alles Alkoholische abgesaugt. Wir wolln auch mal unseren Spaß ham!“, kicherten und rülpsten sie aus der Geisterwelt heraus… „Na! Das erklärt ja so einiges..“, grübelte Schamanski Numero Uno (1).
Später brachte er sicher seine Nachbarin Lasziva von Schlingelingen zu seinem Nachbarn, weil diese entschieden über den Durst getrunken hatte und Opfer von ihren inneren Dämonen zu werden drohte. Er klatschte sich gegen die Stirn: „Das war’s! Ich musste nüchtern bleiben, um sie sicher nach Hause zu bringen. Nächstes Mal lass ich Euch aber zu Hause, damit ich auch was merke!“
Die Geister lachten schelmisch mit ihren Hintergedanken und wiegten Schamanski sanft in den Schlaf…

Mit freundlicher Genehmigung von Niels Vorwerk