Wintersonnenwende

Quelle: Jetti Kuhlemann / pixelio.de

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Die Wintersonnenwende ist astronomisch sehr bedeutsam. Ab diesem Datum werden die Tage allmählich wieder länger und die Nächte kürzer. Außerdem beginnt jetzt der astronomische Winter. In unserer mitteleuropäischen Zeitzone fällt die Wintersonnenwende auf den 21. oder 22. Dezember. Die Sonne steht dann am Mittag so tief am Horizont wie zu keiner anderen Zeit im Jahr. Wir erleben die längste Nacht und den kürzesten Tag. Am Nordpol geht die Sonne überhaupt nicht auf.
Der Winter mit seiner Düsternis und Kälte ist ein prägendes Ereignis. Wir sehnen uns nach der langen Zeit des Dunkels nach dem Licht und nach der Wärme. Die Wintersonnenwende war deshalb in heidnischer Zeit bei vielen Völkern ein sehr wichtiges Datum. Häufig feierte man dieses Ereignis einige Tage früher oder auch später. Weihnachten zählt als „Geburtstag Jesu“ auch im Christentum zu den Hauptfesten im Kirchenjahr. Allerdings handelt es sich hierbei um eine Adaption aus dem Heidnischen. Tatsächlich ist das Geburtsdatum des jüdischen Wanderpredigers Joshua ben Joseph überhaupt nicht bekannt. Ein christliches Fest ist die mit der Wintersonnenwende eng verbundene Weihnacht erst seit dem Jahr 336. Bereits im Jahr 217 hatte aber Papst Hyppolit die Idee, das Fest der Wintersonnenwende, das bei den Römern dem Sonnengott Sol Invictus geweiht war, christlich umzudeuten. Da die orthodoxe Kirche in Russland, Georgien, Serbien und Mazedonien nach wie vor den julianischen Kalender verwendet, fällt der 25. Dezember hier tatsächlich auf den 7. Januar der gregorianischen Zeitrechnung. Als in der Regierungszeit Julius Cäsars der julianische Kalender entstand, lag die Wintersonnenwende auf dem 25. Dezember. Unter der Herrschaft von Papst Gregor kam es zur Kalenderreform. Seitdem feiern wir das Weihnachtsfest etwa drei Tage nach dem astronomischen Ereignis.

Bräuche zur Wintersonnenwende

Zahlreiche heidnische Bräuche haben sich bis in die heutige Zeit erhalten. So gilt die Mistel als ein beliebtes Weihnachtssymbol. In der germanischen Mythologie wird der Sonnengott Baldur dank einer List seines ebenfalls göttlichen Gegenspielers Loki durch seinen blinden Bruder Hödur mit einem Mistelzweig getötet. Die Wintersonnenwende signalisiert die symbolische Auferstehung des Sonnengottes. Die hellen Sterne, die Kerzen und letztendlich auch die als weibliche Figuren dargestellten Rauschgoldengel erinnern mit ihren langen, goldenen Haaren an die Bedeutung des Lichts und der Sonne. Auch Äpfel und Nüsse hängen mit dem Wiedergeburtsgedanken eng zusammen, weil sie selbst in der kältesten Düsternis das keimende Leben in sich tragen. Ein alter Brauch, der heute wieder allmählich in Mode kommt, ist das Sonnwendfeuer am 21. Dezember. Da die Mittwinterzeit allgemein vom Umbruch geprägt ist, sucht man nach einer Neuorientierung für das kommende Jahr. Die Wintersonnenwende steht am Beginn der zwölf Raunächte, der Zeit zwischen den Jahren. Viele damit zusammenhängende Orakelbräuche haben sich bis heute erhalten und spielen an Silvester eine große Rolle. Mittwinter ist eine Zeit der Insichkehr. Ein neues Jahr beginnt, und man muss versuchen, das beste daraus zu machen.

Buchtipps:
– Weidner, Christopher: Raunächte – die zwölf heiligen Nächte – Rituale, Brauchtum, Weissagungen. Broschiert. 3. Aufl., Kopp-Verlag. 2014. ISBN 978-3-86445-048-8. 7,95 €
– Becker, Claudia: Der alte Mann und das Pferd – Roman.
Taschenbuch: epubli. 2014. ISBN 978-3-8442-7940-5. 18,90 €
PDF: epubli. 2014. ISBN 978-3-8442-7940-5. 6,99 €

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