Fliegenpilz

Bildquelle: Melanie Werntges / pixelio.de

Bildquelle: Melanie Werntges / pixelio.de

Fliegenpilze sind weder Tiere noch Pflanzen und werden als eine eigenständige Lebensform deklariert. Sie ernähren sich hauptsächlich von verrottender organischer Materie. Sie spielen im Stoffkreislauf der Natur eine große Rolle, da sie die Materie, die sie befallen, zersetzen und anschließend die frei gewordenen Nährstoffe wieder an die Natur zurückgeben. Der Mensch unterteilt die Pilze in nützliche und schädliche Pilze. Zu den nützlichen gehören die Pilze, die einen bestimmten kulinarischen Wert haben oder für medizinische Zwecke Verwendung finden. Er wird in die Gruppe der schädlichen Pilze einsortiert.

Der Fliegenpilz wird als klassischer Märchenpilz betrachtet. Im Wald ist er der Schönling unter den Pilzen. Früher wurde er bereits als Rauschmittel verwendet. Schamanen nutzten ihn, um mit der Zukunft oder den Ahnen Verbindung aufzunehmen. Verbreitet war der Glaube, ihn im Schlafzimmer aufzubewahren, um dadurch die Fruchtbarkeit zu steigern. Der Gott Wotan aus der germanischen Mythologie galt als Gott des Rausches und wurde mit dem Fliegenpilz in Verbindung gebracht. Auch die Priester der Maya nutzten ihn um eine Rauschwirkung zu erzielen. Als Rabenbrot bezeichneten ihn die alten Ägypter.

Der Fliegenpilz wächst von August bis Anfang November hauptsächlich unter Fichten und Birken, aber auch unter anderen Laub- und Nadelbäumen. Er liebt sauren Boden. Es gibt verschiedene Farbformen von ihm, die leuchtend rote mit den typisch weißen Flecken auf dem Hut, ist die bekannteste Art. Der Fliegenpilz ist nicht tödlich giftig, wenn er auch oft in Pilzbüchern so dargestellt wird.. Jedoch erzeugt der Verzehr bereits geringer Mengen des Fliegenpilzes verschiedene Rauschzustände, wie Euphorie, Erregungszustände, Halluzinationen, Schläfrigkeit und vorübergehende Lähmung der für die Motorik zuständigen Muskeln.

Die Arbeit mit dem Fliegenpilz

Grundsätzlich kann der Fliegenpilz getrocknet und auch frisch zum Einsatz kommen. Den getrockneten Pilzen wird allerdings eine höhere Wirksamkeit nachgesagt.

Getrockneter Fliegenpilz und Bilsenkraut oder Stechapfel wird für aphrodisierende Rauchmischungen verwendet. Leicht psychoaktiv wirkt das in einem nach oben gewölbten Fliegenpilzhut angesammelte Regenwasser, wenn man es trinkt. Auch bei der Herstellung von Hexensalbe wird er eingesetzt. Die Salbe wird an einer besonders empfindlichen Stelle des Körpers verrieben um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
Der zum Räuchern verwendete Fliegenpilz wird gemeinsam mit verschiedenen Kräutern, wie beispielsweise Tollkirsche oder Beifuß, den Baumharzen zugegeben, dadurch entstehen je nach Intensität Trance- Zustände. Es sind aber gewisse Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Mit diesen Zutaten sollte nur im Freien geräuchert werden. Ein Gemisch aus Tabak und Fliegenpilz, dem sogenannten Zauberstaub, wurde in verschiedenen schamanischen Kulturen geraucht.

Genaue Angaben über tödliche Dosen im Zusammenhang mit dem Fliegenpilz gibt es nicht. Trotzdem ist ein verantwortungsvoller Umgang mit ihm nötig. Oft wird nach versehentlichem Verzehr von einer Art Dämmerzustand gesprochen. Es gibt verschiedene Visionen, wie eine Art Traum. Berichtet wird von Flugerlebnissen und eine Veränderung der Wahrnehmung von Größenverhältnissen. Nur Kundige sollten den Fliegenpilz verwenden um ihn zu verschiedenen Ritualen einsetzen.

Buchtipp:
Bauer, Wolfgang: Der Fliegenpilz: Geheimnisvoll, giftig und heilsam – Die Wurzeln von Mythen, Märchen und Religion– gebunden: 22,90 €. Nachtschatten Verlag, 2014. ISBN 978-3037883327

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar





%d Bloggern gefällt das: