Buchenleute

Buchenleute

Buchcover „Mip und die Baumleute“

Als ich mich zum Verschnaufen mit einer Hand an einem Baumstamm abstütze, spüre ich, wie sich unter meiner Handfläche etwas bewegt. Huch! Ich zucke zurück. Habe ich aus Versehen irgendein Tier berührt? Aber nein, auf dem glatten, silbergrauen Stamm regt sich nichts. Eine Buche ist es, das erkenne ich an der glatten Rinde, die sonst kein anderer Baum hat. Ich schaue an der Buche hinauf. Eigentlich sieht sie wirklich ein bisschen aus wie der Körper eines Tieres oder eines Menschen, mit glatter Haut und Muskeln darunter. Wenn sich die Muskeln bewegen, bewegt sich die Haut mit. Wenn ich zum Beispiel lache, dann wackelt mein Bauch.

Da – schon wieder hat es unter der glatten Rinde gezuckt! Kann ein Baum lachen?
Ganz vorsichtig berühre ich den Stamm mit den Fingerspitzen, streiche sacht darüber. Er fühlt sich kühl an. Und diesmal sehe ich genau, wie es unter der Rinde zuckt: hier und darüber und einen halben Meter höher.
„Zirp … kitzelig! Hihihi!“
Hinter dem Stamm lugt ein mir bekanntes spitzes Ohr hervor. Darunter kommt ein schwarzes Auge zum Vorschein.
„Hallo“, rufe ich erfreut. „Da bist du ja! Ich hab dich schon überall gesucht.“

„Sag mal, Mip, kann ein Baum kitzelig sein? Ich dachte immer, Bäume wären nicht … also, ich meine, sie sind doch nur aus Holz.“
Mip zeigt auf mich. „Und dudu?“
„Ich? Ich bin … ich bin aus Fleisch und Haut und Knochen und so.“
Mip zuckt mit den Schultern und verschwindet wieder hinter dem Baumstamm.
„He, lauf nicht wieder weg! Ich geb ja zu, dass es vielleicht keinen so großen Unterschied macht, woraus man ist … Mip?“
Ich stapfe durch das Laub auf die andere Seite des dicken, glatten Stammes. Dort entdecke ich zwischen zwei dicken Wurzelsträngen so etwas wie einen Sitz, der gemütlich mit weichem grünem Moos gepolstert ist. Der Stamm hat an dieser Stelle eine Aushöhlung. Und dort steht Mip und winkt mir mit einem seiner langen Grashalmfinger.
„Soll ich mich da reinsetzen?“

Mip nickt und verschwindet schon wieder – diesmal scheint er in den Baum zu schlüpfen. Dabei ist da kein richtiges Loch, sondern nur ein schmaler Spalt.
Also gut. Ich setze mich in den Baumwurzelsessel und kuschele mich in die Stammhöhlung.
„Mmmmmmhhh …“, höre ich da ein ganz, ganz leises Schnurren oder Brummen. Ob das die Buche ist?
Der Baum träumt – und ich träume mit ihm…

… weiter geht es in dem Buch Mip und die Baumleute

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